Der Monat Mai ist in der katholischen Kirche traditionell der Jungfrau Maria gewidmet. Es handelt sich um einen Monat der Verehrung, des Gebets und der Feiern, in dem die Gläubigen ihren Blick besonders auf die Mutter Christi richten. Zu den konkreten Ausdrucksformen dieser marianischen Frömmigkeit gehören mehrere wichtige liturgische Feste, die in der Tradition und Theologie der Kirche verwurzelt sind. Diese Feste sind nicht nur dazu da, um Maria zu ehren, sondern sollen den Christen helfen, durch die Frau, die seine demütige Dienerin war, besser in das Geheimnis der Erlösung einzutreten.
Der Marienmonat: eine Zeit der Gnade
Bevor wir auf die Einzelheiten der liturgischen Marienfeste eingehen, die im Mai gefeiert werden, ist es wichtig, den spirituellen Kontext dieses Monats zu verstehen. Seit dem 18. Jahrhundert hat die Kirche die Gläubigen dazu ermutigt, den Mai Maria zu widmen. Dies war eine volkstümliche Tradition, die in jesuitischen Kreisen entstand und sich dann dank der Volksfrömmigkeit und der Unterstützung durch mehrere Päpste weit verbreitete. Der Mai wurde so zu einer Zeit des Gebets, der Blumenkränze, Rosenkränze, Novenen, Prozessionen und Weihen.
Innerhalb dieses Marienmonats bestimmen einige spezifische liturgische Feste den Rhythmus des Kalenders und stärken die Verbindung zwischen Maria und den Gläubigen.
1. 13. Mai: Unsere Liebe Frau von Fatima
Das Fest Unserer Lieben Frau von Fatima ist eines der markantesten des Monats Mai. Es erinnert an die erste Marienerscheinung, die am 13. Mai 1917 drei jungen portugiesischen Hirtenkindern - Lucia, Francisco und Jacinta - in der ländlichen Umgebung von Fatima erschien.
Die Jungfrau Maria erschien ihnen zwischen Mai und Oktober desselben Jahres mehrmals und überbrachte eine Botschaft des Gebets, der Bekehrung und der Buße. Sie betonte das Rosenkranzgebet, um den Weltfrieden zu erreichen, insbesondere während des damals tobenden Ersten Weltkriegs. Sie teilte auch prophetische Botschaften über Russland, den christlichen Glauben und die Kirche mit.
Die Anerkennung dieser Erscheinungen durch die Kirche sowie die weltweite Wirkung von Fatima (Pilgerreisen, päpstliche Botschaften, Marienweihen) machen diesen Feiertag zu einem wichtigen marianischen Moment, der in vielen Ländern mit Inbrunst gefeiert wird.
2. 24. Mai: Maria, Helferin der Christen
Das Fest Maria, Helferin der Christen (oder Maria, Hilfe der Christen) wird am 24. Mai gefeiert. Es wurde offiziell von Papst Pius VII. im Jahr 1815 als Dank für seine Befreiung nach jahrelanger Gefangenschaft unter Napoleon eingeführt. Er schrieb diese Befreiung der Fürsprache der Jungfrau Maria zu.
Dieses Fest beleuchtet die Rolle Marias als Beschützerin der Kirche und als Helferin in Notlagen. Sie liegt den Gläubigen der Salesianerfamilie, die vom heiligen Johannes Bosco gegründet wurde, besonders am Herzen, da sie großes Vertrauen in diese Mariengestalt hatte. Don Bosco ließ übrigens in Turin die Basilika Maria Hilf errichten, die ein wichtiger Wallfahrtsort ist.
Dieses Fest lädt dazu ein, sich der Jungfrau Maria als einer mächtigen und gütigen Mutter anzuvertrauen, die immer bereit ist, ihre Kinder in den geistigen Kämpfen und den Schwierigkeiten der Welt zu unterstützen.
3. Der Samstag nach Christi Himmelfahrt: Unsere Liebe Frau vom Abendmahlssaal
Der Samstag vor Pfingsten wird manchmal durch das Gedenken an Maria im Abendmahlssaal geprägt. Obwohl sie im universellen liturgischen Kalender nicht als verpflichtendes Fest verankert ist, erinnert diese spirituelle Tradition an die Gegenwart Marias im Herzen der entstehenden Kirche, im Gebet mit den Aposteln, in Erwartung des Heiligen Geistes.
Sie unterstreicht die Rolle Marias als Gestalt der Kirche, als Vorbild des Glaubens und der Fügsamkeit gegenüber dem Geist. Am Vorabend des Pfingstfestes erscheint Maria als Mutter der Kirche, die ihre Kinder in der Hoffnung versammelt.
4. Der letzte Tag des Monats Mai: Mariä Heimsuchung
Am 31. Mai feiert die Kirche das Fest der Heimsuchung der Jungfrau Maria, eines der wichtigsten Ereignisse in ihrem Leben, das im Lukasevangelium (1,39-56) geschildert wird. Nach der Verkündigung begibt sich Maria "eilends" zu ihrer Cousine Elisabeth, die mit Johannes dem Täufer schwanger ist. Diese Begegnung führt zu einem Moment intensiver Freude, geistlichem Jubel und dem Gesang des Magnificat.
Dieses Fest beleuchtet Marias tätige Nächstenliebe, ihren Glauben in Aktion und ihre tiefe Freude am Plan Gottes. Es lädt die Gläubigen ein, Maria in ihrer Großzügigkeit, ihrer Verfügbarkeit und ihrer Fähigkeit, die Gegenwart Christi weiterzugeben, nachzuahmen.
Das Fest Mariä Heimsuchung schließt somit den Marienmonat als spirituellen Höhepunkt ab, als Aufruf, wie sie Licht- und Hoffnungsträger für die Welt zu werden.
Andere lokale Feiern und Traditionen
Neben diesen liturgischen Feiern können im Mai je nach Diözese oder Land zahlreiche lokale oder besondere Marienfeste gefeiert werden. Dazu gehören:
Die Krönungen der Jungfrau Maria, bei denen Marienstatuen von Kindern oder Gläubigen mit Blumen gekrönt werden.
Mariaprozessionen, die oft in Dörfern oder an Wallfahrtsorten stattfinden.
Novenen zu Maria, insbesondere vor Fatima oder Mariä Heimsuchung.
Pilgerfahrten, wie nach Lourdes, Pontmain, La Salette oder anderen Marienheiligtümern in Europa und der Welt.
Schlussfolgerung
Die Marienfeste im Mai erinnern uns daran, dass Maria keine Figur der Vergangenheit ist, sondern eine lebendige Gegenwart im Leben der Christen. Jedes Fest offenbart uns ein besonderes Gesicht der Mutter Gottes: diejenige, die erscheint, um zum Gebet und zum Frieden aufzurufen, diejenige, die die Ihren beschützt, diejenige, die die Kirche im Gebet versammelt, diejenige, die besucht und tröstet.
Wenn wir sie feiern, vertiefen wir unsere Beziehung zu Maria und durch sie zu Jesus. Diese Feste sind Gelegenheiten zum Nachdenken, Beten, Singen, zur Umkehr und Liebe, in der Freude des spirituellen Frühlings, den uns die Kirche durch diesen Marienmonat schenkt.
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