Es ist wichtig zu beachten, dass der Begriff "Karmittwoch" kein liturgischer Ausdruck ist, der in der christlichen Tradition üblicherweise verwendet wird, um einen bestimmten Tag in der Karwoche zu bezeichnen. Der Karmittwoch kann jedoch als integraler Bestandteil der Karwoche angesehen werden, der dem Gründonnerstag direkt vorausgeht. Dieser Tag hat eine besondere Bedeutung aufgrund der Ereignisse, die sich an ihm im Rahmen der christlichen Erzählung von der Passion Christi abgespielt haben.
Der Karmittwoch wird oft mit zwei biblischen Haupterzählungen in Verbindung gebracht: dem Verrat des Judas Iskariot und der Salbung Jesu in Bethanien.
In den synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus und Lukas) ist der Karmittwoch der Tag, an dem Judas Iskariot, einer der zwölf Apostel Jesu, mit den jüdischen Religionsführern eine Vereinbarung traf, Jesus im Austausch für dreißig Silbermünzen zu verraten. Dieser Verrat spielte eine entscheidende Rolle im Verlauf der Ereignisse, die zur Kreuzigung Jesu führten. Judas soll, nachdem er den Deal mit den jüdischen Behörden vereinbart hatte, nach einer Gelegenheit gesucht haben, Jesus an seine Feinde auszuliefern.
Außerdem ist im Johannesevangelium der Karmittwoch der Tag, an dem Maria von Bethanien als Zeichen der Liebe und des Respekts die Füße Jesu mit kostbarem Parfüm gesalbt hat. Diese Handlung wird oft als Vorahnung von Jesu Tod und Begräbnis sowie als Bekräftigung seiner messianischen Rolle interpretiert. Allerdings wird dieses Ereignis manchmal an einem anderen Punkt in der Chronologie des Evangeliums angesiedelt, was zu Verwirrung über das genaue Datum der Salbung Jesu in Bethanien führen kann.
Obwohl der Karmittwoch oft weniger im Vordergrund steht als andere Tage der Karwoche, ist er für die Passionsgeschichte und die christliche Theologie dennoch von entscheidender Bedeutung. Dieser Tag bietet den Gläubigen die Gelegenheit, über Themen wie Verrat, Loyalität, Opfer und bedingungslose Liebe nachzudenken, die das Herzstück des christlichen Glaubens bilden.
In der Praxis können sich Kirchen und christliche Gemeinschaften dafür entscheiden, den Karmittwoch mit Gebetsgottesdiensten, Meditationszeiten oder Bibelstudien zu begehen, die sich auf die Ereignisse der Passion Christi konzentrieren. Es ist auch eine günstige Zeit für persönliche Reflexion und Beichte, während die Gläubigen sich geistig auf die folgenden Tage der Karwoche vorbereiten, die zur Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi führen.